Ribeira d’Ilhas – Teamriderstory von Dani Schur in Portugal

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Einmal im Jahr, ca. von Oktober bis Juli, plagt mich eine unbeschreibliche Sehnsucht nach dem Ozean. Bei aller Liebe zur Almwelle,  aber wenn man das ganze Jahr über Gulasch isst, freut man sich halt auch mal über ein Schnitzel. Ein Schnitzel mit einer Panier aus Sand, gewürzt mit Salzwasser, geklopft von perfekten Wellen und gebraten von ausschließlich Sonne. Dieses Schnitzel heißt in meinem Fall Portugal.

Gedacht, gesagt, getan – Flug gebucht, Koffer gepackt, 4 Surfboards, 1 Skateboard, genug Klamotten um die Hälfte davon verlieren zu können, Schlafsack, etc. Die Kollegen von Ryanair haben gottseidank nicht bemerkt, dass versehentlich meine Hand am Boardbag hängengeblieben ist und von 40kg Gepäck fanden nur 15kg ihren Weg zur Waage. Zu zweit wuchten wir die „15 kg“ zum Schalter.

Ein paar Stunden später lande ich schon in Faro. Philipp Sturies, der Chef vom Liquid-Mountains-Surfcamp (www.liquid-mountains.com) holt mich ab und wir treten die Weiterreise nach Vale da Telha an. Wie man es sich schon denken kann, folgt eine unglaublich harte Zeit an diesem feinen Ort, mit Spots wie Arrifana, Kangoroos, Monte Clerigo und Amoreira in weniger als 5 Minuten Entfernung. Sofort stürzen wir uns in die Fluten und die besagte Sehnsucht ist erfüllt, die Augen brennen vom Salzwasser, das Gesicht ist gezeichnet von der Sonne und aus der Nase rinnt nach jeder Session der halbe Ozean. Nach ein paar Tagen landet auch mein Freund Max im Camp und gemeinsam beginnen wir unseren harten Job als Urlaubsvertretung der Housekeeper im Surfcamp. Betten machen, Frühstück richten, Wäsche waschen und sobald alles erledigt ist, folgt die Freizeit – es wird gesurft und geskatet bis die Bretter krachen. Unsere Nachbarn (Boa Vida Social Club) haben im Garten einen eigenen Bowl betoniert, wo man nach Sonnenuntergang auf dem Beton weitersurfen kann. Die nächsten 4 Wochen vergehen wie im Flug .Das tägliche Programm wird erweitert um gute Freunde, die uns hier her gefolgt sind, Partys, Konzerte, das unglaublich gute Sushi von der Kangaroo-Ninja-Crew und natürlich noch mehr surfen!

WUUX Surfboards #urbansurfshapes

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Doch die letzte Septemberwoche rückt immer näher, es wird Zeit für den finalen Showdown, Zeit um zu zeigen was wir hier gelernt haben: Die Österreichischen Meisterschaften im Surfen – Kampfarena ist der weltberühmte Strand von Ribeira d’Ilhas, ein wunderbarer Reefbreak mit einem Righthander, der bis zu 200m lang perfekt surfbar ist und somit nicht umsonst einer der Favourite-Spots von Kelly Slater und Konsorten ist. Das Liquid Mountains A-Team rund um Philipp, Max, Michi und mir packt den Bus randvoll mit Boards und Material und wir reisen gen Norden. Ericeira ist für Surfer ungefähr das, was der Arlberg für Schifahrer ist: Perfektion pur!

Ein Leben aufgebaut rund um die Bretter, die die Welt bedeuten. Alles dreht sich nur um die perfekte Welle. Messerscharfe Riffe, tückische Strömungen, kaltes Wasser, der Offshore pfeift einem um die Ohren und jeden Tag Swell, von früh bis spät.

3 Tage bleiben uns Zeit um uns einzugewöhnen, bevor am Mittwoch der Contest gestartet wird. Die Jungs von Austrian Surfing schaffen jedes Jahr etwas Unglaubliches. Zusammen mit lokalen Surfcamps und einigen Sponsoren wird der Weltklasse- Spot Ribeira d’Ilhas komplett gesperrt. Alle Surfer werden aus dem Lineup vertrieben (an guten Tagen zählt man schnell mal 100 Köpfe) und schlussendlich sitzen dann nur 4 Österreicher im Teich und surfen sich die Haare blond. Allein schon deswegen lohnt es sich einzuschreiben. Wir gehen den Contest relativ entspannt an. Ausserdem hab ich ja meine Geheimwaffe: das Wuux Fingerling in 5’6’’, scharfe Rails, viel Volumen, sehr wendig, das Palisander Furnier ist Musik für die Augen und ein absoluter Hingucker auf dem Contest Gelände.

Ich surfe im allerersten Heat des Morgens, einige Freesurfer tummeln sich noch im Lineup und wollen nicht so richtig glauben, dass Österreich eine Meisterschaft in ihren heiligen Wassern veranstaltet. Die Küstenwache und Veranstalter machen ihnen per Megaphon eindeutig klar, dass es Zeit ist, sich zu „schleichen“ und das Feld der Ribeira d’Ilhas für uns zu räumen. Amüsiert von diesen endlosen Möglichkeiten, die ein menschenleerer Reefbreak so bietet, gehe ich relativ entspannt die Sache an. Den ersten Heat gewinne ich in den letzten 50 verbleibenden Sekunden, der Ozean schenkte mir die perfekte Welle und ich mache meinem gelben Trikot alle Ehre (nur der erste in der WSL Surftour hat normalerweise ein gelbes Lycra). Ich komme direkt in Round Three, der Ozean kooperiert nicht wirklich, die Wellen bleiben aus. Mit einer Closeout und einer guten Welle rechne ich mir keine gute Chance aus, doch in den nur 20 Minuten des Heats hatten die anderen ebenfalls ihre Probleme und ich gewinne auch diesen Heat.

WUUX Surfboards #urbansurfshapes

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Weiter geht’s, Viertelfinale. Ich habe den höchsten Wellenscore im Heat, doch ich brauche einen Backup-Score. Der Nordwind prescht mittlerweile ziemlich stark übers Lineup, viel Wasser ist in Bewegung und die Strömung zieht uns immer weg von dem Punkt, wo die Wellen brechen, ich paddle und paddle und komme nicht voran, die Zeit tickt mir davon. Die Hupe ertönt und der Heat ist vorbei, 0.73 Punkte haben mir gefehlt, um mich fürs Finale zu qualifizieren. Das entspricht beispielhaft einfach irgendeiner Welle, bei der man den Takeoff steht und nachher sofort stürzt. Sollte eigentlich machbar sein, war es aber nicht. Fünfter Platz. Ein bisschen enttäuscht paddle ich zurück und feuere Philipp an. Er hat es ins Finale geschafft bei dem er die Wellen zerschlitzt, so wie wir es von ihm gewohnt sind. Philipp reißt sich damit verdient den ersten Platz unter den Nagel!

Doch das ist nicht genug. Die Longboard-Klasse sucht auch einen Sieger! Wir rennen zum lokalen Boardverleih und leihen uns die Öltanker unter den Surfbrettern aus. Ich schaue skeptisch, meine Longboard-Erfahrung beträgt selbst aufgerundet noch immer Null Minuten. Was soll’s, Board geschnappt und los geht’s! Das Riff liegt mittlerweile dank der Ebbe komplett frei und wir stolpern mit den Kolossen über die spitzen Steine, der halbe Heat geht drauf, nur um die Wale zurück in den Ozean zu führen. Wie durch ein Wunder erwische ich sogar Wellen und erreiche den zweiten Platz in der Moby-Dick Wertung, Max wird Dritter und Philipp schon wieder Erster. 2 mal Gold und 4 Medaillen insgesamt für Team Liquid Mountains, was für ein Erfolg. Wir feiern ausgelassen und tragen erst früh Morgens unsere Trophäen zurück in den Bungalow.

Nach weiteren 4 Tagen Surfen/Futtern/Surfen/Futtern/Surfen rund um Ribeira d’Ilhas treten wir die Heimreise an. Dabei haben wir noch einen kurzen Kaffeestop in Lissabon eingeplant, der versehentlich aber in Party und einer komfortablen Nacht in der Tiefgarage in unserem vollgeräumten Bus endet. Guten Morgen, Aufstehen! Um 2 Uhr müssen wir in Faro am Flughafen sein, das heißt uns steht nun eine Reise durch halb Portugal auf der Autobahn bevor! Wir schaffen es natürlich, wussten wir eh. Und schon sitzt man wieder zuhause und wundert sich frierend, wie schnell 1 ½ Monate vergehen können. Und es beginnt schon wieder, so ca. einmal im Jahr, von Oktober bis Juli, plagt mich eine unbeschreibliche Sehnsucht nach dem Ozean. Aber was soll’s, wir wissen ja, dass es nicht das letzte Mal war! Muito Obrigado, Herzlichen Dank Portugal für die feine Zeit.